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Eine Nachlese:
Leichter Nieselregen. Tiefe Wolken. Prinzipiell
unangenehm. Dennoch stehen alle 34 Starter samt Beifahrer(innen)
um 7.00 Uhr früh freudig erregt am Start zur Roadbook
Rallye mit voll getankten, stollenbereiften, gewichtsreduzierten,
steinschlaggeschützten Ural Gespannen. Der Regen bringt`s.
Der Regen bereitet das Terrain wunderbar rallyegerecht auf.
Vom ersten Checkpoint, hoch vom Bergfried der Burgruine Waxenberg
aus, kann man bestens beobachten, wie weit unten winzig kleine
Ural Gespanne schwer den Berg hinaufkämpfen, entweder
Roadbook gerecht auf der echt miesen ausgefahrenen Traktorspur
oder irgendwo daneben tiefe frische Spuren in die nassen Wiesen
und Felder ziehend.
Es offenbart sich hier der Wert des zuschaltbaren Ural Beiwagenantriebs
bzw. mangels diesem, der Wert eines verständigen schiebetüchtigen
Beifahrers.
Resumee: Kein Jammern der Beiwagenantriebe, jedoch vermehrt
Schwüre insbesondere von Beifahrerinnen, nie nie wieder
an so einer Rallye teilzunehmen.
Unser Streckenposten Claudio für Checkpoint 2 (CP2) fällt
gleich bei der Anfahrt zu seinem Checkpoint aus. Es bleibt
der einzige technische Mangel unter allen teilnehmenden Gespannen,
wenn auch ein Klassiker unter den Dnepr Mängeln. Hat
er doch eine Dnepr MT16 und heute seinen Endantrieb zum x-ten
Mal zerstört. Die Meinungen zum Dnepr-Beiwagenantrieb
sind ja weit gestreut von genial bis Klumpert total. Wir wollen
das Thema hier nicht weiter erörtern.
Sonst übrigens keine Unfälle, Ausfälle, Abfälle.
Auch der medizinische Begleitzug bleibt unbeschäftigt.
Die hölzernen Zuschauer im Märchenwald lies der
ungewohnte Auftritt der Ural Gespanne kalt. Die Furt durch
die Große Mühl wurde von allen Teilnehmern anstandslos
gemeistert. Echte Probleme gab es für viele dann bei
einem nach außen hängenden steilen Anstieg zum
CP3. Pavel und Luci aus Tschechien improvisieren hier und
geben ratlosen Kollegen Meistertipps. Schnellsiedekurs im
Offroad Beiwagenfahren. Da fliegt Dreck, Kupplungen rauchen,
Helmvisiere beschlagen, da kommt man ganz schön ins Schwitzen.
Oben angekommen verfliegen letzte Zweifel. Stolz über
die eigene Fahrleistung und über das Potential der Ural
stellt sich ein und der CP3 ist ein Biobauernhof mit Biokühen
und Fritz lädt hier ein zur Verkostung der hier entstandenen
Biomilch. Manch einer erkennt heute nach 35 Jahren konstanter
Milchabstinenz, wie Milch schmecken kann bevor es zu kleinen
Flüssigkeitsdöschen oder Pulversäckchen als
Aufheller für Kaffee verarbeitet wird.
Die Rallye hält Mittagspause beim Teufelsbruckwirten.
Der Stempel fürs Roadbook ist leider am gegenüberliegenden
Ufer der hier gestauten Großen Mühl einzuholen.
Verschiedene Wasserfahrzeug laden zur Querung der Mühl
ein. Die Mutigen fahren natürlich authentisch im Ural
Beiwagen ohne Motorrad.
Als Antrieb dient ein Paddel. Die Erkenntnis: Ein Ural Boot
ist trotz angebauter Schwimmkörper aber ohne Rad und
angeflanschtem Motorrad ein verdammt kippeliges, unsicheres
Gefährt.
Nachmittags geht es nach Tschechien zur Burg Wittinghausen.
Großes Gemurre allerseits, denn der Stempel fürs
Roadbook ist ganz oben vom Turm einzuholen, das heißt
Fußmarsch. Die prächtige Aussicht von oben entschädigt
manche für die Mühe des Anstieges. Wir queren die
österreichisch/tschechische Grenze einfach so irgendwo
im Wald. Das schert heute niemanden. Unglaublich, wenn man
20 Jahre zurückdenkt. Da war hier der Eiserne Vorhang
und wir wären alle dreimal erschossen worden, hätten
wir damals an dieser Stelle versucht die Grenze per Motorrad
zu passieren.
Heute ist hier das einzige Problem, dass der Pfad, den wir
befahren, verdammt eng ist und ein Ural Gespann arschknapp
zwischen den Bäumen durchpasst. Sepp, der aus unerfindlichen
Gründen das Privileg hat, als Einziger mit einer BMW
an der Ural Rallye teilnehmen zu dürfen, muss hier seinen
überbreiten Beiwagen abbauen und seine Trümmer einzeln
durch den Wald fädeln.
Auch das geht vorbei.
Letztlich schaffen alle Teilnehmer die 150 Kilometer querfeldein
durchs Mühlviertel und Böhmen und die Wertung gewinnt
die einzige Ural Fahrerin, Bärbel aus Bonn, mit und trotz
Ehemann Allen als Beifahrer, das heißt konkret: Eine
Reise nach Westsibirien in das Ural Werk samt einwöchiger
Gespanntour in die sibirische Pampas. Wir sind wirklich besorgt
und überlegen ernsthaft beim nächsten Mal Frauen
die Teilnahme an der Roadbook Rallye zu untersagen.
Was war sonst?
Vor allem Internationalität: Rund 250 Leute waren da
aus 15 verschiedenen Ländern. Hervorzuheben ist ein Gespann
aus Lissabon. Aber auch zwei Urals aus Norwegen, oder zwei
aus Spanien. Dennoch hat den Preis der weitesten Anreise eine
Truppe Motorradfahrer aus Russland eingeheimst. Am stärksten
vertreten waren deutsche Ural Fahrer. Aber dann schon die
Franzosen. Auch ebenso viele Tschechen waren hier. Und Russen.
Seltsam: Es waren hier mehr Motorräder mit russischen
Kennzeichen als mit österreichischen Kennzeichen. Die
österreichischen Russenfahrer haben wieder einmal kollektiv
und zuverlässig gefehlt, bis auf zwei Wiener Gespanne,
zwei Niederösterreichische, zwei Salzburger, drei Oberösterreichische
und ein Vorarlberger war auch da.
Wir übernehmen natürlich voll und ganz die Verantwortung,
weil wir die österreichischen Ural und Dnepr Fahrer offensichtlich
nicht motivieren konnten.
Sonst hat nichts gefehlt. Übers Essen hat
sich niemand beschwert. Manche Deutsche haben sich über
unser Bier beklagt. Das tun wir aber auch, wenn wir ein Bier
in Deutschland trinken müssen.
Die Musiker waren guter Laune und brachten selbst schwere
Burschen zum Tanzen.
Um die 40 Gespanne sind Samstag Vormittag zu einer anregenden
Ausfahrt in die Braucommune Freistadt aufgebrochen und auch
wieder vollzählig zurückgekehrt.
Die Location, die Burg Piberstein, hat allen Teilnehmern gut
gefallen.
Und so wird es wohl nicht zu verhindern sein, dass von 10.
bis 12. September 2010 das Dritte Europäische Ural Treffen
stattfinden wird, denn alle heurigen Besucher wollen nächstes
Jahr wieder kommen.
Die Veranstaltung hat international in den verschiedensten
Ural Foren unglaublich hohe Resonanz.
Beispielsweise zwei großartige Berichte:
Einer aus Frankreich mit jeder Menge Bilderalben und kleinen
Videos
http://www.est-motorcycles.fr/forum/viewtopic.php?pid=13560#p13560
Einer aus Spanien:
http://www.foroural.es/viewtopic.php?f=17&t=1020
Weil, wie gesagt, kaum einheimische Ural Fahrer
zugegen waren sind wir auch recht sparsam mit einheimischen
Bildern hier gerade einmal ein paar:
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