Ural u. Dnepr Österreich
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In Moskau

Fritz, Horst, Max, Günter und ich fahren mit dem Autobus nach Irbit, kaufen einige Urals und fahren wieder nach Österreich. Im folgenden Momentaufnahme aus einem Stop in Moskau

Der Horsti hat ja schon vor der Reise gesagt, wenn wir in Rußland sind, müssen wir unbedingt mit den Eisen auf den Roten Platz in Moskau und dort ein Foto machen. Denn dort kommt man ja nie wieder hin. Gut, man redet nicht dagegen, wenn die Reise noch nicht einmal begonnen hat und denkt sich, daß das unterwegs gleich ganz anders ausschaut, überhaupt beim Horsti, der da immer gesagt hat, er muß unbedingt am 9. August um 4.00 Uhr früh wieder daheim sein, da beginnt sein Dienst bei der ESG. Wenn er da nicht wieder da ist, wird er entlassen, gekündigt, erledigt, aus.

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- - - Gut, auf der Hinfahrt nach Irbit haben wir Moskau auf einem Autobahnring, 6-spurig in jede Richtung (fast wie in LA), dezent umfahren, eben nur gestreift. Beim Heimfahren - haben wir beschlossen - soll Moskau kurz besucht werden. Fritz: Diesen Wunsch versteh ich, das mußt du ihnen zugestehen. Meinetwegen.
So sind wir dann am 22. 7. 2000 nach Moskau gekommen. Und zwar zur Mittagszeit, zu einer Zeit, wo es mir und allen anderen am allerwenigsten getaugt hat, Motorrad zu fahren, noch dazu in einer Stadt, die dreckig ist, die Abgase der Autos sind enorm und du hast das Leder an (Verletzungsgefahr bei Sturz, Unfall), auch die Handschuhe, das Visier des Helmes geschlossen, (ABGASE) weil die Helme natürlich aus irgend einem Zufall immer schwarz sind (ist halt am feschesten), kocht dir in solchen Situationen immer ziemlich schnell der Kopf im Topf. Dann mögen das die fahrtwindgekühlten Boxermotoren auch nicht besonders, und Hitze steigt von den Zylindern zusätzlich auf. Und überhaupt kannst du als Leithammel die Stadtdurchfahrten für diejenigen, die nachfahren, nur falsch machen.
Beobachte den Strassenbelag andauernd nach eventuellen Löchern (im städtischen Bereich besonders gerne und tiefe anzufinden - wir flicken eine Wasserleitung und schütten das Loch nur halb zu, weil den Asphalt brauchen wir zu Hause fürs Trotoir) - fehlenden Kanaldeckel, herumliegenden Kardanwellen anderer Verkehrsteilnehmer, aufgelöster Karkassen von LKW Reifen.
Suche ständig gleichzeitig die wirklich nur wenn unbedingt notwendig vorhandenen Hinweisschilder nach deiner Destination. Die sind nicht auf dem Boden montiert, sondern irgendwo in der Höhe auf Obusdrähten oder Brücken. Ein Wegweiser ist in Rußlands Städten nur dann angebracht, wenn abzubiegen ist. Kommst du an eine riesige Kreuzung, wo du das Gefühl hast, daß der Hauptverkehrsstrom nach rechts abbiegt, vielleicht sogar die Vorrangstraße als nach rechts abbiegend gekennzeichnet ist und es ist kein Hinweisschild "Moskau nach rechts abbiegen", dann fahre gerade aus und du bist richtig. In 90 % der Fälle jedenfalls.
Dann sollst du höllisch auf deinen Mitverkehr und/oder Gegenverkehr aufpassen: Denn in Rußland gilt das Recht des Stärkeren: Sitzt du in einem 3-Achser URAL LKW mit einem Sattelanhänger dran worauf du transportierst einen anderen URAL LKW mit 40 Tonnen Eigengewicht, kann der Linienbus mit 100 restlos ausgebuchten Stehplätzen brausen gehen. Will der URAL an der Haltestelle des Linienbuses einfahren, dann muß halt der Linienbus mit seinen Fahrgästen die Ladas, die auf der Fahrbahn herumwieseln, vertreiben. Motorrad mit Beiwagen ist in der Verkehrs-Hackordnung theoretisch an vorletzter Stelle, die letzte Stelle würden einspurige Fahrzeuge einnehmen, die sind aber im städtischen Verkehr ohnehin nicht anzutreffen, d.h. Motorrad mit Beiwagen an letzter Stelle der Verkehrsrangordnung.
Jetzt bist du mit einem Motorrad im Stadtverkehr, wenn auch mit Beiwagen, eher mit einem dynamischen Verkehrsmittel unterwegs, d.h. du kannst, weil schnelle Beschleunigung und Bremserei möglich, weil das Gefährt kurz ist, und nicht sehr breit, Spur wechseln. Haha. Aber nur du. Denn hinter dir fahren drei andere Mopeds - Günter, Horst und Max - die eine ganz andere Sicht haben des Verkehrsgeschehens, und wenn du die Stadt durchquert hast und kein zweiter kommt hinter dir an, du wieder umdrehen mußt, auf russisch Passanten fragen, ob nicht irgendwo ein oder mehrere Beiwagenmotoräder gesichtet wurden mit schwarzen Helmen, wo es rausraucht und wenn das Glück es will und alle finden aus der Verkehrshölle raus und du wirst von den anderen vernichtet, denn wie kann man nur so blöd sein und dauernd die Spur wechseln, da kommt ja keiner nach und wie soll ich denn den Weg finden ist ja nix angeschrieben und hab ja kein kyrillisch gelernt, und überhaupt. Und dann kommt noch der Fritz im Begleitbus, der, wie ich denke, die meiste Übersicht im Stadtverkehr haben sollte, der von seinem Hochsitz über alles drüberschaut, der, wenn ich mich umdrehe und ihn mit den Händen nach dem Weg frage, denn er hat ja eine Karte im Autobus, grinsend mit den Achseln zuckt, und auszuckt, aber so, wenn wir ihm mit den Motorrädern wieder einmal davon gefahren sind, weil der Mann einfach nicht beschleunigen kann an der Kreuzung mit seinen 16 Tonnen und 192 PS.
Ja da fährst das nächste Mal mit maximal 30 km/h stur dahin immer auf der mittleren Fahrspur, ganz wurscht was ist, und wenn die mittlere Fahrspur ein Grünstreifen ist, nicht spurwechseln! -
Nach jeder geregelten Ampelkreuzung stehenbleiben, auf der mittleren Fahrspur, zurückschauen, sich vergewissern, ob alle die Kreuzung passieren konnten. Die Regel ist: Der Bus ist der letzte, wenn ich den Bus nicht mehr sehe, ist was passiert und daher stehenbleiben.
Oft geübt, nie beherrscht.

So auch am 22.7., wir fahren nach Moskau der Verkehr wird dichter, die Straßen löchriger, breiter, Ampeln und ich denk mir, es wird Zeit auf den Fritz zu warten, da ist ja eh gerade eine Polizeistation, wo der Fritz mit Sicherheit kontrolliert wird. Warten wir und schauen dann auf der Karte von Fritz, wie das Moskau so aufgebaut ist, verkehrstechnsich, weil wir haben eh nur eine Übersichtskarte und wissen natürlich nicht wo der Rote Platz ist, geschweige denn wie man Roter Platz auf kyrillisch schreibt, daß man nach eventuell vorhanden Hinweisschildern suche. Irgendwo im Zentrum halt.
Da bleibt man stehen und wartet, da kommt auch schon der Ikarus, wird von der Polizei auf die Seite zum Protokoll gewinkt, man sieht Fritzens Zornesröte von Ferne und weiß sich schuldig und später wird auch kräftig geschimpft, daß man nicht dem Bus davonfahren soll in so einer Stadt.
Man wendet sich ab und sieht und hört einen Motorradfahrer an der Ampel stehen. Man läuft schnell hin und fragt den Burschen den Weg nach dem Roten Platz in Englisch, in Deutsch, in Gestik. Der Mann ist groß und sehr schwer. Fährt ohne Helm, wilde lange Locken, wilder Lockenbart, eher ungepflegt, mit Kulleraugen, raucht sich gleich eine Tschick an, sein Motorrad, eine Persiflage eines Extremchoppers, Eigenbau, absolut nix Serie: Ist ein in die Länge gestreckter Dnepr-Rahmen, mit einer langen Choppergabel. Mit einem Lenker ewig in den Himmel, an den Lenkerenden sind grob verschweißte Kästen montiert, worin sich irgendwelche Schalter befinden, der Motor, ein schwarz lackierter Dnepr 650er, die Ventildeckel ohne Dimitris BikeKühlrippen, das Ding hat keine Auspuff-Schalldämfer sondern dünne Rohre bis zurück.
Ich denke mir, das Motorrad hab ich schon irgendwo gesehen, da dämmert mir, ich habe vor mir ein Mitglied der Moskauer Hells-Angels Partie, ein Bericht über diese Partie genannt "Night Wolves" war unlängst in einer Motorrad-Illustrierten zu lesen, wo auch nämliches Motorrad abgebildet war.
Ich frag den Typen nach dem Weg zum Roten Platz, er sagt auf englisch: "We go to the Clubhouse. I am Dimitri." Ich realisiere sofort die Gunst der Stunde: Wir sind also eingeladen, bei den Night Wolves in Moskau zu bleiben, die Night Wolves, die das Motorrad, das ich fahre, nämlich die Wolf, entworfen haben, die Night Wolves, die dem Ural Werk die Augen geöffnet haben, so daß jetzt vernünftige Motorräder gebaut werden. Ich habe jetzt die Möglichkeit, die Rocker kennenzulernen, die praktisch die Konsulenten eines staatlichen Motorradwerkes sind, das bis dato im Fünf-Jahres-Plan Beiwagenmaschinen für die Armee und den Bauernstand produziert hat.
Ich teile den anderen mit, was Sache ist, alle sind einverstanden und wir fahren durch halb Moskau zum Clubhaus der Night Wolves. Ich habe während der Fahrt Zeit auch die Umgebung zu beobachten und sehe, daß wir das Zentrum weitläufig umrunden, ich sehe von Ferne das hohe Gebäude, die Duma, die Jelzin beschießen hat lassen und andere hohe markante Bauten, die aus der Zeit im Bild bekannt sind.

Das Clubhaus ist ein ehemaliges Gewerbegelände.
ClubhausDort herrscht Chaos: Flachen Garagen ähnliche Gebäude umschließen einen asphaltierten Platz im Geviert 80 x 80 m groß. Auf dem Platz liegen rostige Eisentrümmer herum, Traversen, Gestelle, Tonnen, Profile, alles wild durcheinander: Mittendrin steht einüberdimensionales Modell einer Wolf, gebaut aus den Trümmern des Platzes. Es ist das Ziel des Clubs, alle Trümmer, die hier herumliegen, sinnvoll oder künstlerisch zu verbauen. Am unteren Rand des Platzes ist eine große Bühne für Konzerte und Show fertiggestellt. Gleich daneben ist die Wand einer Baracke mit einem überdimensionalen Airbrush-Kunstwerk gestaltet. Auf der überdachten Bühne thront das 1000ccm Ural-Eigenbau-Gespann des Präsidenten der Night Wolves, das Motorrad heißt Werewolf, 1000 ccm Ural Boxer, Beiwagen mit Standheizung, durchgestylt alles.

 

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- - - Wir parken den Bus mitten auf dem Platz, wir sind willkommen, bekommen Bier und Tee und alles was wir wollen, wir müssen uns zum Videorecorder setzen und ein Video anschauen über die "Bike show" 1997. Die Night Wolves treten einmal jährlich als Veranstalter, Organisator eines Motorradtreffens in Moskau auf, 1997 waren bei diesem Treffen 25.000 Motorradfahrer, 1999 kamen in drei Tagen 50.000 Besucher. Die Organisation ist schwierig, überhaupt erst möglich, seitdem der Kommunismus nicht mehr staatstragend ist. Trotzdem gibt es unendliche Probleme bei den Genehmigungen durch die Behörden, es will ja jeder die Hand aufhalten und von der Veranstaltung profitieren, 50.000 Besucher stellen doch einen anständigen Wirtschaftsfaktor dar. Am Video ist zu sehen, wie hier gefeiert wird, die Attraktionen und Showeinlagen bei der Bike Show sind wirklich sehenswert.
Die Bike Show ist auch der Grund, warum trotz des Chaos auf dem Platz hier alles sehr nach Geld riecht. Es geschieht hier was. Es ist Bewegung da. Aufbruch. Ganz im Gegensatz zu Restrußland, wo alles irgendwie dahindümpelt, verfällt. Meine Gesprächspartner sagen zwar, daß an der Bike Show nicht verdient werden kann, die Kosten sind gleich hoch wie die Einnahmen, das Lied kenne ich, jammern ist des Kaufmanns Brot. Ich denke nur an das Sponsoring der Veranstaltung durch jene Bierfirma, die 50.000 Biker in drei Tagen versorgen darf.
Die Bike Show findet immer ca. Ende August statt. Ein Termin ist nicht fixiert, weil ein Termin nie eingehalten werden kann wegen der Willkür der Behörden, es wird in kürzester Zeit über Fax, Telefon, Internet, etc. verbreitet, wann das Fest losgehen kann. Leute kommen vor allem aus Rußland, aber auch aus Finnland, und anderen Mittel- und Westeuropäischen Ländern. Ein Besuch dieser Veranstaltung wäre auf jeden Fall einmal überlegenswert.

Zurück zum Werden des Clubhauses:
Die Gebäude rund um den Platz werden zu Restaurant, Bar, Werkstätte, Disco etc. stilvoll umgebaut. Es werken hier wirklich gute Handwerker, die künstlerisch auch was drauf haben. Man sieht auch Burschen in Uniform werken, das sind die Hilfsarbeiter, es wird uns erklärt, daß diese Burschen Rekruten beim Militär seien und von ihren Offizieren vermietet werden zu Arbeiten aller Art. Es seien dies die billigsten Arbeitskräfte. Ende August soll das Areal eröffnet werden, kaum vorstellbar, bei dem Chaos, das hier noch herrscht. Das Clubhaus soll 24 Stunden täglich geöffnet sein und ein für Moskau einzigartiger Treffpunkt für Motorradfahrer sein.

Fritz, vor allem Günter, Max und Horst, allen wird schon langweilig auf dem Platz. Sie fragen immer wieder, wann wir auf den Roten Platz fahren. Ungeduld in Rußland! So was von fehl am Platz!
Ich kann immer nur weitergeben die Info, daß derzeit einige Motorradfahrer telefonisch zum Clubhaus gebeten werden, um die Österreicher zum Roten Platz zu begleiten. Einer telefoniert ständig. Es ist der Colonel, so sein Name. Er schaut aus wie Christian Kernbeis, ein Kremser Dnepr Fahrer und lieber Freund von uns, nur weit über 2 Meter groß. Sein Motorrad, eine Solo-Ural, so einmalig umgebaut, daß halt ein Zweimeter Mann Platz drauf hat. Ich bin an allem und jeden in diesem Club interessiert und die Zeit vergeht im Flug, die anderen ziehen sich in den Bus zurück und machen zunehmend Zoff wegen der Zeit, es geht nix weiter, wann fahren wir endlich. Genervt gebe ich auf und sage, okay fahren wir wieder, hauen wir ab, war wohl nix. Da kommt das Signal zum Aufbruch. Zehn russische Motorradfahrer bilden einen Konvoi und geleiten uns durch die Stadt zum Roten Platz. Fritz steigt bei Günter im Beiwagen zu. Diese Fahrt wird für mich der Höhepunkt der ganzen Rußlandreise.
Der Colonel und ein anderer wilder Hund bilden die Spitze. Alle fahren ohne Helm, auch ich fahre ohne Helm, die anderen Austrianer trauen sich das nicht. Ich frage einmal, wie das mit der Helmpflicht so ist, natürlich ist Helm Pflicht, warum aber fährt ihr ohne Helm, da kommt bloß ein geheimnisvolles Lächeln. Die Motorräder der russischen Biker haben alle keine Schalldämpfung. Die russischen Fabrikate fahren überhaupt ohne Auspuff, die Japaner oder Harley Davidson mit geöffneten Schalldämpfern. Als Grund wird Leistungssteigerung angegeben. Jetzt sind also zehn offene Bikes und wir Austrianer in den Strassen von Moskau unterwegs. Ein Lärm, unvorstellbar, ein Brüllen, Schnalzen, noch nie hab ich vergleichbare Lärmkulisse erlebt in freier städtischer Wildbahn. Bei uns wären wir nach 5 Minuten spätestens alle verhaftet worden. Hier nicht. Es fahren immer zwei Biker nebeneinander, so wird ein ganzer Fahrstreifen belegt. Der Colonel an der Spitze deutet dezent an den Autofahrer rechts neben ihm, dieser weicht sofort, bleibt stehen, wenn notwendig, wir können somit Spur wechseln. Da brauchst du als Hintermann nicht aufpassen. Der Colonel hat das im Griff. Der Konvoi der brüllenden rauchenden Motorräder arbeitet sich wie ein Keil in den Stau der Autos an den Kreuzungen. Wie von selbst weichen die Autos nach links und rechts aus. Die Insassen in den Autos schütteln hier aber nicht mit den Fäusten, keine wie immer gearteten Unmutsäußerungen, im Gegenteil: Victory Zeichen mit dem Zeige- und Mittelfinger, der gehobene Daumen als Zeichen der Zustimmung, lachende Gesichter, positive Stimmung überall. Sollte doch an einer Kreuzung auf Grün gewartet werden, natürlich in erster Reihe, fahren nach der Schaltung auf grün Autos erst weg, wenn alle Motorräder gestartet sind. Die Polizisten an den Kreuzungen scheinen nichts gegen das Brüllen der Eisen, der Wilden Horde ohne Helm einzuwenden zu haben. Die Passanten winken, die Mädels kreischen, klingt alles nicht wahr, ist aber so.
Diese Night Wolves haben hier einen Status, der ist unglaublich. Ich fahre neben Dimitri, sein Spitzname ist Dimitri the Cat, wie mir einer erklärt hat. Ich kann aus nächster Nähe ihn, sein Motorrad, seine Fahrweise und die Wirkung seiner Erscheinung auf die Umwelt beobachten. Der Film Easy Rider ist ein Schaß dagegen. Als wir später auf das Bierfest gefahren sind, war es insbesonders Dimitri, der immer wieder fotografiert wurde, Mädels hängten sich links und rechts bei ihm ein und wollten Autogramme, wollten fotografiert werden mit ihm, mit seinem Motorrad. Die Mitglieder der Night Wolves werden hier als Stars gefeiert.
Und so fahre ich ohne Helm inmitten einer Rockergruppe durch Moskaus Strassen, das Publikum jubelt uns zu.
Wir parken die Eisen neben einander auf der Zufahrt zum Roten Platz, das wird den Bullen doch zu viel, wir dürfen noch schnell ein Gruppenfoto machen, dann übersiedeln wir doch auf den regulären Parkplatz. Der Rote Platz ist für Günter und Horst eine herbe Enttäuschung, es fällt der Vergleich mit dem Linzer Hauptplatz, was die Größe des Platzes betrifft, man stellt fest, daß im Fernsehen, in der Zeit im Bild, der Platz viel, viel größer wirkt. Fotos, kurzer Spaziergang, die Mission ist erfüllt, auf Vorschlag der Motorradfahrer fahren wir zu einer Art Oktoberfest. Ein Bierfest in einem Stadion. Wieder durch die ganze Stadt im Abendrot im Konvoi brüllen wir und ich merke, daß der Colonel nicht die direktesten Verbindungen wählt, eine sightseeing Tour führt uns an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei, manchmal weist Dimitri the Cat neben mir auf ein Bauwerk hin, ich versteh sowieso nix, und hab noch nie davon gehört und hab es auch gleich wieder vergessen. Günter hat sich andern Tags auf jeden Fall darüber beschwert, daß die ja mit uns im Kreis gefahren sind, so umständlich.
Wir parken die Eisen schön nebeneinander nahe dem Gate zu einem Fußballplatz. Polizei steht dort herum. Der Colonel und andere verhandeln dort mit den Bullen über irgendetwas. Wir warten dort ca. eine viertel Stunde, da kommt wieder ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht und zwei BMW R 1100 GS Polizeimotorräder und wir ahnen, daß das Bierfest für uns gestorben ist. Kein Eintritt für laute, wilde Motorradrocker, Der Colonel bedeutet uns die Eisen zu starten. Die Polizeifahrzeugen nehmen uns mit Blaulicht in die Zange, das Gate zum Stadion öffnet sich, wir fahren Trari Trara in das Stadion ein, werden unter großen Gejohle vom Publikum empfangen, wir stellen die Eisen schön nebeneinander auf der Laufbahn neben dem Rasen ab. Im VIP Bereich wird Platz für die Ehrengäste bereitet. Tische werden zusammengerückt. Die Security schützt vor ungebührlicher Bedrängnis, Dimitri the Cat spielt milde lächelnd Fotomodell, Bier wird gebracht, Snacks, in Plastiksackerl eingeschweißte kleine geräucherte Fische, die zur Gänze verzehrt werden, wie Gummibärchen. Ein schwarzes Getränk, schäumt wie Bier, genannt Kwass, schmeckt leicht säuerlich, gebratene Hühner, gebackenes Brot mit faschierten Kern, es wird kredenzt, daß es eine Freude ist. Auf dem Rasen des Fußballplatzes wird getanzt zu einer auf der Bühne stattfindenden Modeschau, Badeanzüge, Unterwäsche wird gezeigt, Stimmung bombig. Wir staunen. Der Colonel bedeutet uns, daß wir nicht viel Bier trinken dürfen. Fritz darf als einziger trinken mehr Bier und bandelt mit allen an, auch mit zwei Polizisten, bei uns wäre er schon dreimal verhaftet worden, so lästig war er bei den Bullen. Ein Teil der Night Wolves fährt ab und wir werden gefragt, wann wir fahren wollen. Die Abfahrt wird wieder mit Polizeibegleitung und Blaulicht organisiert, eine ungemein angenehme Heimfahrt in das Clubhaus mit vollen Bäuchen und den Kopf voll von Eindrücken ist zu genießen.
Im Club wird noch einmal Bier organisiert, meine Kumpane gehen ins Bett, nur ich und auch Max diskutieren noch lange mit den Bikern über Gott und die Welt.
Als wir andern Tags erst um 10.00 den Bus starten, steht plötzlich Dimitri the Cat da und begleitet uns bis zur M1, der Straße nach Smolensk, aus Moskau hinaus.
Ich habe den Colonel öfter gefragt, was wir schuldig sind für diese Gastfreundschaft, doch sagt er was von Selbstverständlichkeit, wir würden doch auch nicht anders agieren in Österreich. Ja. Natürlich! Würde diese Truppe mich in Linz für zwei Tage besuchen, könnte ich gar nix tun für die Leuteln, am besten noch Gesellschaft in der Polizeigewahrsam leisten.


 

 
     
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