Ural u. Dnepr Österreich
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3° RADUNO SIDECARS

Associazione Motociclistica Friulana 29-30 Settembre 2001 Spilimbergo
Ein Reisebericht

Wir wollen beide Hochzeiten tanzen: Das großartige Gespanntreffen Ende September in Spilimbergo, immer bei Sonne (nona Italien), ohnehin nur bienal, also viel zu selten, darf keinesfalls versäumt werden. Aber auch das Schweizer Dnepr und Ural Treffen sollte nicht versäumt werden, warum nur sind beide Treffen heuer zum selben Termin? Hilft eh nichts, wir fahren beide Treffen an, ist ja nur ein kleiner Umweg von 1000 Kilometern von Linz nach Spilimbergo über die Schweiz.
Freitag, 06.15 Uhr Abfahrt auf der Autobahn nach Salzburg - 5 Gepanne, Fredl, Peter, Horst, Günter und ich - und verdammt schwere Sicht, dichtester Nebel und feines Nieseln machen gleich zu Beginn der Fahrt das Leben schwer, die Nase beginnt zu jucken und beißen schon bei Ansfelden, die linke Hand bewegt sich zur Nase, trifft das Visier des Helmes, aha, nun wischt der Handschuh das Visier und siehe da, Nebel weg, Nieselregen schlagartig zu Ende - es wird Zeit aufzuwachen, Schwaighofer!
Mein Tacho zeigt 100 km/h. Alle LKW fahren gerade ein bisserl langsamer, mühsam das Überholen. Nach 50 Kilometer überholt mich Horst und steuert auf den nächsten Parkplatz zu. Ich denk mir, nicht schon jetzt eine Pause, wir wollen doch schließlich noch heute in die Schweiz und sollten ordentlich Tempo machen. Großes allgemeines Beschweren über mein Reisetempo setzt ein, angeblich fahre ich bloß 85 bis 90, und wenn ich so weiterfahre kämen wir nie an, wir wollten doch schließlich heute noch in die Schweiz und sollten ordentlich Tempo machen. Mein Mechaniker der Günter gibt nun grinsend zu, daß er meinen Tacho getunt hat. Wir fahren weiter Autobahn, viel Zeit zum Nachdenken: Was ist, wenn der Mechaniker bloß den Tacho getunt hat, nicht aber den Motor? Wir werden sehen. Jedenfalls sind sämtliche in der Vergangenheit behauptete Speed Rekorde meiner Dnepr zu relativieren, es hat mir ohnehin nie jemand geglaubt.

Schon vor 09.00 Uhr sind wir in Ellmau in Tirol beim Sepp frühstücken. Schnapserl, Gulasch und Bier, Kaffee und Kuchen, einmalig dieser private illegale Bikestop, geöffnet nur, wenn wir nach Tirol fahren. Der Sepp hat ja schon einige Dneprs verschlissen, vorwiegend seitengesteuerte 750er, hat sich dann eine Zündapp KS750 eingehandelt und schwer beeindruckt stehen wir nun um diese Sparbüchse und wünschen dem Sepp, daß die Zündapp bald einmal wieder etwas Kleingeld für die Anschaffung einer seitengesteuerten Russin freiläßt.

Zuendapp KS750

Bei Innsbruck verlassen wir die Autobahn und fahren südlich der Inntalautobahn entlang den Dörfern, wer Zeit hat, nehme statt dem Inntal die Route Mutters - Natters - Götzens - Axams - Grinzens - Sellrain - über das Kühtai - Ötz - wieder zurück ins Inntal. Grandiose Ausblicke auf die Berge, Kopfschütteln darüber, daß die Tiroler ihre Häuser genau dort hinbauen, wo die Ebene am schiefsten ist, Straße sehr gut, doch Vorsicht vor schmierigen Kuhfladen in Kurven und deren Verursacher, phlegmatisches Hornvieh mitten auf der Fahrbahn, insbesondere am Kühtai.
Wir nehmen das Paznauntal zum Silvretta Stausee. Ischgl, Galtür, berühmte Skiorte, im Sommer schaut das gar nicht berühmt aus, obwohl wir hier noch weit unter der Baumgrenze sind, fehlt der Wald an den Berghängen bis ins Tal beinahe völlig, die ständige Lawinengefahr verwundert daher nicht, wir staunen nicht schlecht, denn parallel zur Bundesstraße wird ein zweite Straße gebaut, im Berg drinnen, enorm aufwendig und teuer, damit die Skiorte im Winter gefahrlos mit Urlaubern versorgt werden können.
Die Silvretta Hochalpenstraße ist erst seit 1954 befahrbar, ist sie ja im Zusammenhang mit dem Ausbau der Kraftwerksgruppe im Silvrettagebiet durch die Vorarlberger Illwerke gebaut worden. Vom Paznaun kommend sanfte Steigung, kaum Kehren, teilweise feine Schotterpiste, lädt ein zu engagierter Fahrweise, etliche Bürgerkäfige werden verschreckt, hier zeigt zum ersten Mal der Fredl auf dieser Reise, daß er Pässe nur Vollgas nehmen kann, erst ein deutscher Opel-Bürgerkäfig kann Fredls Elan eingangs Parkplatz Bieler Höhe stoppen. Der erste Blechschaden der Reise an Fredls Dnepr ist die Folge, Fredl nimmts gelassen, fassungslos und akut herzinfarktgefährdet jedoch die Besatzung des Bürgerkäfigs ob des Kratzers an der opelschen Plastikstoßstange und Fredls natürliches Mühlviertler Grinsen als Rechtfertigung macht die Situation nicht leichter, wir jedenfalls beobachten den Vorfall sicherheitshalber aus der Ferne.
Dennoch ist die Silvretta Hochalpenstraße für jeden Motorradfahrer unbedingt irgendwann einmal Pflichtlektüre, wenn auch besser vom Montafon in Vorarlberg ausgehend, die Kehren dort sind wirklich großartig.

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12 Stunden und 650 Kilometer nach Abfahrt in Linz, kommen wir an in Morgarten in der Schweiz bei Karin und Paul Nideröst, den Schweizer Dnepr und Ural Dealern. Tags davor hat im Kanton Zug ein Amokläufer 14 Politiker erschossen, es herrscht Staatstrauer, das Schweizer Dnepr-Treffen mußte abgesagt werden, den dennoch angereisten Österreichern wird ein Notprogramm geboten, Kalbsbratwurst oder Schweinsbratwurst, Bier oder Most, und jede Menge Österreicherwitze. Nach Z´Morge (schweiz. Frühstück) um 09.00 Uhr riskieren wir Autobahn ohne Vignette und gewinnen ordentlich Meter, sodaß bald nach 10.30 Uhr, nach Davos, der erste Schweizer Paß angegangen werden kann.
Flüelapaß: Herrlich ausgebaut, leider großes Verkehrsaufkommen, doch der Fredl von hinten schon wieder mächtig Druck macht, überholt, was geht, Horst und ich lassen sich sofort herausfordern, keine die Sicht behindernden Bäume, so werden Busse in den Kehren überholt, Bürgerkäfige bedrängt, bis sie entnervt freiwillig Platz machen, schön ist so ein Pass, immer voll am Gas, immer am Drehzahllimit, interessant ist nur, daß Günter und Peter, beide ja Mechaniker, beim lustigen Materialverschleissen paßaufwärts nie so recht mitmachen wollen.
Ofenpaß: Wie lange geht's im dritten Gang? Kurz vor der Höhe, aus der Traum, eine Ampel für einen Gegenverkehrsbereich beendet die Hetz und weil wir gerade in der Nähe sind, nehmen wir noch das Stilfser Joch, Anfahrt erfolgt über den Umbrail Pass, der ist im unteren Teil eher ungemütlich, weil sehr holpriger Straßenbelag und enge Kehren, doch bald wechselt der Belag auf feinen festen Schotter und schon wieder packt uns das Rennfieber. Auf 2.500 Meter Schengengrenze Schweiz/Italien, wir warten gut fünf Minuten, keine Menschenseele kümmert sich um unsere Pässe, wir passieren ohne jegliche Kontrolle, hinüber zum Stilfser Joch.
Lange Zeit war das Stilfser Joch mit seinen 2.762 Metern die höchste Passstraße der Alpen, mit seinen achtzig Kehren gilt es auch heute noch als die serpentinenreichste. Der Bau der Straße erfolgte von 1820 bis 1825 auf Anordnung des Habsburger Kaiserhauses, das damit die kürzeste und einzig mögliche, nicht über ausländisches Gebiet verlaufende Verbindung zwischen Wien und seinem Besitztum Lombardei schuf. 180 Jahre später ist die heutige Straße noch immer identisch mit der ursprünglichen Trassierung.
Oben schneit es. Ungemütlich. Wir fahren sofort ab. Kaum Verkehr. Ein Mercedes bleibt in einer Kehre hängen, das Automatikgetriebe packt die Steigung nicht mehr. Echt traurig so etwas. Wenn es nach mir ginge, ich würde sofort den Autoverkehr verbieten am Stilfser Joch und ähnlichen Strecken. Freie Fahrt nur für Motorräder! Allenfalls Fahrräder. Für Autofahrer wird am Fuß des Passes ein Motorradverleih eingerichtet.
Im Vintschgau wird es richtig warm, unangenehm ist jedoch, daß wir uns mit den Gespannen in eine zäh fließende Autokolonne einreihen müssen, bis Meran kaum Überholmöglichkeiten, leicht nervös wird man da, wenn nichts weitergeht, denn ab 20.00 Uhr ist großes Essen in Spilimbergo, Panik kommt auf, wehe, wir versäumen da etwas. Ab Meran geht es auf der Autobahn bis Trento, anschließend das Val-Sugana bis Bassano wirklich flott weiter, südlich der Berge den Dörfern entlang ist wieder Stop and Go Verkehr angesagt, die Nerven liegen blank, sieht man ja im geistigen Auge, wie in Spilimbergo bereits groß getafelt wird, wahnwitzige Überholmanöver in den Ortsgebieten und ein Autobahnfinish mit

spilimb

Höchstgeschwinidigkeit retten die Ankunft um 21.00 Uhr im Ristorante "La Favorita" a Spilimbergo, und dort lärmen schon beim Cafe Coretto an die Hundert Leute, doch auch für uns ist die Küche noch geöffnet.
Beim Beiwagentreffen in Spilimbergo sind traditionell nur Italiener und ein paar österreichische Dnepristi vertreten.

  • Heuer wie immer Christian aus Tirol mit der Dnepr MT80 mit roten Zierstreifen,
  • Charly aus Kärnten mit seiner 250.000 km Dnepr MT12 inklusive zweier Propeller zur Kühlung der Zylinder,
  • Michael aus Kärnten auf Dnepr MT9, sehr gepflegt in rot,
  • Claudio auf Dnepr MT16 mit Familie aus Wien,
  • auch Franz und Familie aus Wien und Dnepr MT80 wie neu,
  • erstmalig hier ist Sus aus Ybbsitz auf Dnepr MT16, Zustand (Motorrad) wie aus 1915,
  • Sepp aus Tirol mit der Zündapp KS 750 ganz in grau,
  • und erstmals auch Werner aus Obertauern mit Dnepr MT80 in gelb ganz stolz auf den neuen Ölkühler.

Anderntags den Sonntag regnet es in Strömen, der Frust ist riesengroß, der Schock sitzt tief. Das hat es noch nie gegeben. In Italien. Die Inskription zur Ausfahrt am Hauptplatz von Spilimbergo geht schleppend voran, zum Frühstück wird Prosecco und Oliven geboten, viele Italiener bleiben zu Hause, es wäre doch schade, wenn ihre schönen Maschinen naß werden. Trotzdem werden es fast 80 Gespanne, die Ausfahrt führt nach Maniago, wir besuchen ein Messer-Museum, beim örtlichen Sportklub wird noch einmal richtig schön getafelt, bei der Preisverlosung werden Kettenspray und andere Sinnlosigkeiten gewonnen, nur Sus sackt gut ein Kilo Grano Pandano, besten Parmesan ein, wir verabschieden uns und sieben Gespanne steuern unser nächstes Ziel an, den slowenischen Karst gut 100 Kilometer östlich. 100 Kilometer im Dauerregen, Sus macht das Tempo und wird bald verdächtig langsam, nur mehr ein Zylinder in Arbeit, es findet sich schnell eine Ursache für den Schaden, eine Lusterklemme zur Zündspule, zuständig für den rechten Zylinder, hat sich dem allgemeinem Zustand der Sus`schen Dnepr angepasst, nämlich Rost, und mußte mit Hilfe des vor einer Stunde als sinnlos verlachten Kettenspray fit gemacht werden. Fredl fährt dem Peter einmal hinten auf und holt sich den zweiten Blechschaden der Reise.

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Unser Ziel ist Lokve in Slowenien, 25 Kilometer östliche vom Nova Gorizia, dort gibt es nur Steine, Wald und drei Häuser, eine Kirche und das Hotel Winkler, ein feines Haus, die Heizung ist schon an, super Betten in komfortablen Zimmern, Unmengen von Karstschinken wird kredenzt, das Bier ist süffig, es rennt der Schmäh. Rund um Lokve gibt es nur Schotterstraßen, endloses unbesiedeltes Waldgebiet, ideal für Gepann-Ausflüge, leider haben wir keinem Urlaub mehr, Montag treten wir die Heimreise an über Cepovan bis Tolmin (Schotter), im Soca Tal nehmen wir nicht die Hauptstraße, sondern fahren die Dörfer Gabrije, Volarje, Kamno, Ladra, von Log Cezsoca bis Cezoca wieder Schotter, Vrsic Paß mit 50 Kehren (gebaut für das österreichische Militär von russischen Kriegsgefangenen im ersten Weltkrieg), Krajnska Gora, Wurzenpaß nach Österreich. Hier trennen sich unsere Wege, Sus zieht es zum Sturm in die Steiermark, Claudio nach Wien, wir fahren noch ein paar Schotterpassagen in Kärnten und der Steiermark.
Hier Geheimtipp für Enduristen: Von Feldkirchen in Kärnten auf der B93 Richtung Gurk -
bald nach Feldkirchen rechts abbiegen nach St. Ulrich, Rennweg, Goggau - Nach dem Goggausee rechts abbiegen in das Wimitztal: hier ist 20 Kilometer beste Schotterpiste entlang des Wimitzbaches, ein traumhaftes, beinahe unbesiedeltes Tal. Nach dem Wimitztal rechts abbiegen nach Pisweg - weiter geht es hinunter nach Gurk - rechts abbiegen ein Stück auf der B93 nach Straßburg - in Straßburg links abbiegen nach Metnitz - dieser Pass ist geschottert ab Prekova abwärts - bei der Einmündung in die Landstraße Friesach-Metnitz rechts abbiegen - die nächste Abzweigung links nach Ingolsthal nehmen - ab Ingolsthal Schotter über den Gwerzsattel - vorbei am Auerlingsee - hinunter nach St. Lamprecht.
Schade, daß wir keine Zeit mehr für den Sölk Pass haben, wir wählen den Triebener Tauernpass als die schnellste Verbindung nach Oberösterreich.

Bilanz über 1.800 Kilometer, erhöht um den 10-prozentigen Dnepr-Tacho-Minderleistungs-Faktor, also insgesamt beinahe 2.000 km Fahrleistung, meist volle Beanspruchung, Autobahn immer 100 km/H:

  • Günter auf Ural Classic Gespann 650 ccm Ural Motor, Baujahr 2000, Km 10.000:
    Hardischeibe zerfetzt, sonst keinerlei Probleme
  • Horst auf Ural Classic Gespann 650 ccm Ural Motor, Baujahr 2000, Km 10.000
    1 Stoßdämpfer rechts hinten Olverlust
  • Peter auf Ural Gespann mit 1.000 ccm BMW Motor. Baujahr 1992
    Erstaunlicherweise diesmal keinerlei Schäden
  • Fredl auf Dnepr MT80 Gespann, 800 ccm BMW Motor, Baujahr 1996 bis 2000
    Blechschäden am hinteren- und Beiwagen Kotflügel
  • Hari auf Dnepr MT11 Gespann mit 750 ccm Ural Motor, Baujahr 2000, Km 9.000
    80 Kilometer vor Reiseende: Kupplungsseil gerissen, ohne Seil gefahren, in Folge bricht der Kupplungshebel unten am Getriebe, die Kardanwelle bricht aus, die Hardischeibe hält mühsam den Antrieb aufrecht, vollgas mit 110 km/h auf der Autobahn bis nach Hause gefahren, der hintere Reifen hat leider kein Profil mehr.
  • Claudio auf Dnepr MT16 Gespann, Baujahr 1992, 650 ccm Dnepr Motor, 30.000 km, berichtet über gerissenes Kupplungsseil 12 Kilometer vorm Ziel und Spitzengeschwinigkeit von 115 km/h auf der Autobahn.

Schön ist das!


 

 
     
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