Tschechisches Dnepr/Ural Treffen
Schon wieder will ein Motorradjournalist einen Testbericht über die Ural Wolf verbocken. Schon wieder
bin ich dagegen. Kommt gar nicht in Frage. Schlechte Erfahrungen gemacht. Lesen Sie doch bitte den
letzten Testbericht. Ist ja eine bodenlose Gemeinheit.
Doch der diesjährige Journalist lässt nicht locker. Ist ein Deutscher. Er erschleicht sich mein Vertrauen und
eine Wolf zum Testwochenende, weil er mich mit einem unglaublichen Trick überrumpelt. Er drückt mir rein, das
er einen Vergleichstest mit einer BMW R1200 Cruiser machen will.
So eine kranke Geschichte beeindruckt mich natürlich. Vergleichen wir zwei "typische" Chopper - ein bayrisches
Sofa mit einem russischen Schleudersitz.

So taucht Toni, unser mutiger Journalist, eines Wochenendes des Frühsommers 2004 mittels BMW Cruiser in der Ural-Zentrale
Linz auf, überlässt den bayrischen Chrombomber großzügig seiner charmanten Begleitung Uli und nimmt
breit lächelnd einen Stock tiefer auf der Wolf Platz. Taugt ihm, die Sitzposition. Aber auch ich lächle noch:
Das Lächeln wird ihm schon vergehen nach 100 Kilometer.
Gleich vorweggenommen das Ergebnis: Letztlich sind es 1000 Kilometer geworden und der Journalist hat Ambitionen die Testmaschine
zu kaufen. Die Wolf, nicht die BMW.
Warum erzähle ich das alles? Weil an diesem Wochenende auf der Burg SVOJANOV in Tschechien nördlich Brünn
das Dnepr- und Ural Treffen vom tschechischen Dnepr- und Ural Händler Pavel Kucera stattfindet. Und ich habe die Motorradtester
Toni und Uli samt Wolf und BMW dorthin verzaht. Mit dem Retro Gespann kann ich locker die höheren Reisegeschwindigkeiten
der Solomotorräder mitfahren. Erstmals haben die Gespann-unerfahrenen Reisemotorradjournalisten einen entscheidenden
Vorteil eines Gespannes erkannt und stopfen mir den Beiwagen mit ihrem Gepäck voll. Ist ja viel netter ohne Rucksack
am Buckel zu fahren.
Unsere seltsame Reisegesellschaft erreicht nach 300 Kilometer innert stolzer eineinhalb Tagen über Mühlviertler,
Waldviertler und Böhmischer Feldwege das Treffengelände Samstags Abend. Die Ausfahrt der am Treffen teilnehmenden
Gespanne haben wir also versäumt. Das Treffengelände aber ist spektakulär. In der Burg ist jede Nische, jedes
Eckchen im Freien genützt als Zelt- und Parkplatz. An die Hundert teilnehmende Motorräder sind dabei. Und was
für Motorräder. Allesamt Gustostückerl. Allesamt Einzelstückerl. Man möge folgende beispielsweise
Porträts bewundern und damit sind keine weiteren Worte mehr notwendig. Vielleicht bloß: Die Fotos zeigen nur
Motorräder, ich habe keine Menschen fotographiert. Es waren aber dort jede Menge Leute und alle gut drauf und war bomben
Stimmung. Der Veranstalter hat sogar ein gewaltiges Feuerwerk inszenieren lassen. Mehr verrat ich nicht, ich fahr nächstes
Jahr sicher wieder hin, sage aber nicht den Termin.
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