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Von Klaus Buttinger
Als Mopedenthusiast Hari Schweighofer in Linz von der Ural Wolf
getropft ist, hat er auf die zurückgelegte Strecke geschaut:
4500 Kilometer vom Irbiter Motorradwerk in Sibirien bis nach Hause.
Dann hat er seine Knochen zusammengeklaubt und sich einen 10er-Block
für den Chiropraktiker besorgt.
Exkurs Chopper: Gegen Ende der 50er-Jahre schrauben
ein paar Modernisierungsverlierer in den USA aus Harley-Teilen (to
chop: zerteilen) ein seltsam aussehendes Bike zusammen. Der Chopper
war geboren und der Grundstein für den Mythos Harley gelegt.
Als vor ein paar Jahren die Umsätze im staatlichen Irbiter
Motorradwerk in die Bunker rasselten, wurden die Werkslenker zwangsläufig
hellhörig. Weder Armee noch Volk wollten die Ural-Gespanne
mehr kaufen. Worauf der Boss der Moskauer Rockerpartie Hells Angels
mit dem revolutionären Vorschlag ankam, aus Gespann- Teilen
einen Russia-Chopper zu bauen.
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25 Stunden Tuning
Ergebnis ist die Ural Wolf, von der es in Österreich
derzeit genau ein Stück gibt, nämlich das vom Hari. Übrigens
ist der Hari offiziell Importeur von Ural und Dnepr; die Wolf verkauft
er neu um 101.000 Schilling. Neben dem Gestehungspreis stecken etwa
25 Mechanikerstunden drinnen für "Tuning": wuchten,
ausdrehen, Lager tauschen etc. Macht in Summe zwei Liter weniger
Verbrauch, also sechs.
Halbwegs angetrieben wird der 245-Kilo- Tiefsitzer
(Echt- Leder- Bankerl!) von einem luftgekühlten 650ccm - Boxer-
Motor, der 36 PS an die offene Kardanwelle liefert. Technischer
Stand: BMW 1950. Das 4-Gang Getriebe braucht volle Trittkraft. Im
Fahrwerk mit seinem Doppelschleifen Stahlrohrrahmen werkt eine USD-Gabel,
die von der luxuriösen, weil italienischen
Brembo - Zweikolben Scheiben- bremse heillos überfordert ist.
Die hinteren, hübsch senkrecht angebrachten Stoßdämpfer
sind so hart, dass einem über kurz oder lang ein Eisenpopo
blüht.
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Der Bock gibt sich kippelig wie eine Bolschoi-Ballerina.
Über die grobstolligen Reifen (vorne "made in Russia",
hinten ein tschechischer 130er) kann man nur das nasse Sacktuch
breiten. Und wenn man einen geschätzten High-Speed (Tacho schwer
krank) von 130 fährt, zittert das Teil wie ein Wodkaschlucker
im Morgengrauen.
Aber: Die Wolf sieht geil aus. Tankstellen-Kiebitz
(73): "Ist das eine Harley-BMW"
Die Technik liegt blank vor dem Auge des Betrachters. Einzigartig:
die K-65-Vergaser mit Joker-Nippeln und Messing-Optik (Leningrader
Vergaserwerk).
Mit den Stiefeln auf den vorverlegten Autobahn-Rasten kann man
Schmäh ohne von einer recht kommoden Sitzhaltung sprechen.
Und wenn man so über den tiefschwarzen Tropfentank ins Land
blickt und sich vor der nächsten Kurve oder dem nächsten
Kanaldeckel fürchtet, beschleicht einen das Gefühl, auf
etwas ganz Besonderem zu sitzen: auf dem freakigsten Teil diesseits
des Urals.
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